FRÜHER IST IMMER BESSER
Zwischen Deutschland und Vietnam sucht Chi nach dem Gefühl von Heimat.
Auf den Spuren ihrer Erinnerung fragt sie sich, was von Heimat bleibt, wenn sich Orte, Zeit und die eigene Perspektive verändern.
Ein dokumentarischer Fotofilm von Thanh Vân Nguyễn, 2026
FOTOSERIE
„Mit dem Fotofilm wollte ich mich mit meiner eigenen Vorstellung von Heimat auseinandersetzen. Ich wurde in Nam Dinh in Vietnam geboren und lebe seit meiner Kindheit in Deutschland. Trotzdem spielt Vietnam bis heute eine wichtige Rolle in meinem Leben und auch in meiner künstlerischen Arbeit. Gleichzeitig verändert sich meine Heimatstadt so schnell, dass viele Orte meiner Kindheit kaum wiederzuerkennen sind. Der Film entstand aus der Frage, was von Heimat bleibt, wenn sich Orte, Erinnerungen und die eigene Perspektive verändern. Während der Arbeit wurde mir bewusst, dass Heimat für mich weniger ein fester Ort ist als etwas, das zwischen Erinnerungen, Menschen und Erfahrungen entsteht.“
“Mein größtes Highlight war ein Moment mit meiner Großmutter. Für meinen Film fragte ich sie, ob sie ein Schlaflied singen könnte, das sie früher meiner Schwester und mir vorgesungen hat. Zunächst meinte sie, sie habe das Lied längst vergessen. Doch als sie anfing zu singen, kamen die Worte nach und nach zurück. Dieser Moment hat mich sehr berührt. Ich hatte ihre Stimme seit vielen Jahren nicht mehr auf diese Weise gehört. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie viele Erinnerungen und Traditionen nur mündlich weitergegeben werden. Dieses Lied existiert nirgendwo schriftlich. Es lebt nur in den Menschen, die es kennen. Wenn niemand es weitergibt oder festhält, verschwindet es irgendwann. Genau deshalb wurde mir während des Projekts klar, wie wichtig es sein kann, Dinge zu dokumentieren und für die Zukunft zu bewahren.“
Thanh Vân Nguyễn
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Wie war die Teilnahme bei DREH’S UM?
Die Teilnahme bei DREH’S UM war für mich eine sehr bereichernde Erfahrung. Vor dem Workshop interessierte ich mich hauptsächlich für Spielfilme. Durch DREH’S UM habe ich einen ganz neuen Zugang zum dokumentarischen Arbeiten gefunden und verstanden, wie wichtig es ist, Geschichten, Erinnerungen und Perspektiven festzuhalten.
Besonders wertvoll war für mich die Gemeinschaft. Es war inspirierend, mit anderen jungen Menschen zusammenzukommen, die sich kreativ ausdrücken und eigene Geschichten erzählen möchten. Trotz unterschiedlicher Hintergründe und voller Terminkalender haben sich alle gegenseitig unterstützt und gemeinsam an ihren Projekten gearbeitet. Diese Offenheit und Verbundenheit habe ich als etwas sehr Besonderes erlebt.
Warum würdest du das Programm anderen empfehlen?
Ich würde DREH’S UM jedem empfehlen, der neugierig auf Film, Geschichten und Menschen ist.
Der Workshop bietet die Möglichkeit, sich kreativ auszuprobieren und gleichzeitig von erfahrenen Mentor*innen begleitet zu werden. Für mich war aber vor allem der Austausch mit den anderen Teilnehmenden wertvoll. Jede Person hat ihre eigene Geschichte und Perspektive eingebracht, und genau daraus sind spannende Gespräche und Projekte entstanden.
Es ist selten, einen Raum zu finden, in dem man gemeinsam lernen, experimentieren und sich gegenseitig unterstützen kann. DREH’S UM hat genau diesen Raum geschaffen.
Was war dir an der Geschichte wichtig?
Mir war wichtig, ein Gefühl festzuhalten, das sich oft nur schwer beschreiben lässt.
Viele Menschen kennen das Gefühl, zwischen verschiedenen Orten zu stehen und sich zu fragen, wo sie eigentlich hingehören. Für Menschen mit Migrationsgeschichte kann diese Frage besonders präsent sein. Gleichzeitig geht es im Film nicht nur um Migration, sondern auch um Erinnerung, Zeit und Veränderung.
Ich wollte zeigen, dass Heimat nicht statisch ist. Orte verändern sich, Menschen verändern sich, und manchmal bleibt nur die Erinnerung an das, was einmal war.
Was ist deine Motivation?
Mich interessieren die Geschichten, die sonst leicht verloren gehen würden.
Durch DREH’S UM habe ich gemerkt, wie wertvoll es sein kann, Erinnerungen festzuhalten – nicht nur große historische Ereignisse, sondern auch kleine persönliche Momente. Ein Lied, eine Stimme, ein Blick auf einen Ort oder eine Erinnerung aus der Kindheit können später eine ganz andere Bedeutung bekommen.
In Zukunft möchte ich weiterhin mit dokumentarischen und künstlerischen Formen arbeiten, um solche Geschichten sichtbar zu machen und Menschen miteinander zu verbinden. Für mich ist das eine Möglichkeit, Erinnerungen zu bewahren und gleichzeitig neue Perspektiven auf die Welt zu eröffnen.

